ORF RADIO-SYMPHONIEORCHESTER WIEN

ORCHESTERKONZERT

 

Markus Poschner, Dirigent

Nemanja Radulovic, Violine

 

Sergej Prokofjew (1891-1953)

2. Violinkonzert in g-Moll op. 63

 

Johannes Brahms (1833-1897)

Sinfonie Nr. 4 in e-Moll op. 98

 

Johannes Brahms saß im Jänner 1882 am Klavier und spielte das Bassmotiv aus dem Ciacona-Chor von Johann Sebastian Bachs Kantate Nr. 150 „Nach dir Herr, verlanget mich“, die eben erst als Band 30 der Bachausgabe im Druck erschienen ist, und soll dabei zu Hans von Bülow gesagt haben: „Was meinst du, wenn man über dasselbe Thema einen Symphoniesatz schriebe. Aber es ist zu klotzig, zu geradeaus. Man müsste es irgendwie chromatisch verändern.“ So die Überlieferung des Dirigenten Siegfried Ochs in Bernhard Rzehulkas Essay „Aus Nichts etwas machen“. Der letzte Satz der 4. Sinfonie von Johannes Brahms kann daher als ein ebenso gewaltiger wie imposanter Nachklang dieses Bassmotives aus Bachs Kantate gehört werden. Das Verwenden einer Chaconne in Brahms Musik ist keine Besonderheit und findet sich u.a. auch in den Haydn-Variationen. In einem Brief über seine Händel-Variationen, ebenfalls Nachklänge barocker Musik, formuliert Bach seine Vorliebe für Bassthemen: „Bei einem Thema zu Variationen bedeutet mir eigentlich, fast, beinahe nur der Bass etwas. Aber dieser ist mir heilig, er ist der feste Grund, auf dem ich meine Geschichten baue. […] Über dem gegebenen Bass erfinde ich wirklich neu, ich erfinde ihm neue Melodien, ich schaffe.“

Dass Brahms von einem besonders kritischen Verhältnis seiner 4. Sinfonie gegenüber geplagt war, zeigen folgende Zeilen des Komponisten aus dem steirischen Mürzzuschlag an Elisabeth von Herzogenburg vom 29. August 1885: „Dürfte ich Ihnen etwa das Stück eines Stückes von mir schicken […]. Im Allgemeinen sind ja leider die Stücke von mir angenehmer als ich, und findet man weniger daran zu korrigieren?!  Aber in hiesiger Gegend werden die Kirschen nicht süß und essbar – wenn Ihnen das Ding also nicht schmeckt, so genieren Sie sich nicht. Ich bin gar nicht begierig, eine schlechte Nr. 4 zu schreiben.“

 

Empfehlung: Wenn Sie weiter in die Welt der Ostianti und ihrer Nachklänge eintauchen wollen, besuchen Sie das Konzert von ARS ANTIQUA AUSTRIA am 2. November 2026.

 

STADTTHEATER GREIF

Di., 06. April 2027, 19:30 Uhr

Konzerteinführung: 19:00 Uhr im Konzertsaal